11. August 2011
Die Interessengemeinschaft Britisch Kurzhaar des Vereines Mundikat hat am 17. Oktober 2009 in Gorredijk/NL eine internationale Ausstellung organisiert, an der ausschließlich Britisch Kurzhaar teilnehmen konnten. Ein außergewöhnliches und gewagtes Unterfangen, da gemäß den FIFé-Bestimmungen mindestens 150 Katzen gemeldet sein müssen. Schließlich stellten sich 190 Britisch Kurzhaarkatzen den Urteilen der Richter. Eine Anzahl auf die die Organisatoren stolz sein konnten.

Unter den gemeldeten Katzen waren insgesamt 23 Goldene, davon zehn Tiere in der Farbe Black-Golden-Shaded. Für diese Varietät ist das eine recht hohe Anzahl. Endlich eine gute Gelegenheit, um das Dilemma der Golden-Shaded einmal mit Richtern erörtern zu können. Die Schwierigkeit, mit der die Züchter/Aussteller der Golden Shaded schon seit Jahren konfrontiert werden, ist die ungefragte Determination der Katzen durch Richter von Tipping (= shaded) auf Ticking. An sich ist eine (richtige) Determination zu begrüßen, jedoch sind die goldenen (und silbernen) Britisch Kurzhaar mit dem Tickingmuster (EMS-Code 25) von der FIFé nicht anerkannt! Dieses bedeutet keinen Punkt für einen Titel, keine Chance für einen Rassesieg und schon gar keine Chance, um für die Best in Show nominiert zu werden. Das ist natürlich ziemlich bitter.

Was ist der Unterschied zwischen Tipping und Ticking?
Auf jeden Fall handelt es sich bei beiden Mustern um Tabbymuster. Deshalb tragen diese Katzen zumindest ein (dominantes) Gen für Agouti.
Tipping (= shaded oder shell)
Der größte Teil der einzelnen Haare ist nicht pigmentiert. Die Farbe beschränkt sich auf die äußersten Spitzen der Haare.
Ticking (auch genannt Abessinier ticking)
Die einzelnen Haare enthalten Farbe nicht nur in den äußersten Spitzen, sondern haben im oberen Teil der Haare zwischen der Farbe hellere Bänder, d.h. die Haare sind gebändert bzw. geticked. Das Ticking ist dominant über allen anderen Tabbymustern und ist sogar epistatisch, d.h. das Ticking-Gen unterdrückt die Ausprägung aller anderen Tabbymuster (getupft, gestreift, gestromt). Hierdurch entsteht ein gleichmäßiges „Shaded“-Muster ohne irgendwelche Tupfen oder Streifen am Körper. Eventuelle Streifen auf Pfoten und Schwanz einer getickten Katze können darauf hinweisen, dass die Katze nicht reinerbig für Ticking ist d.h. neben dem Gen für Ticking noch ein weiters Gen für ein anderes Muster trägt.

Determination (= Farb- bzw. Musterbestimmung)
Wie oben erwähnt werden die Golden-Shaded (= tipping), und vor allem die Katzen bei denen die Unterwolle eher braun als warm golden ist, regelmäßig (und ungefragt) durch Richter als geticked bestimmt. Bei „shaded“ Katzen mit einer warmen, goldenen Unterwolle geschieht dies deutlich seltener. Das liegt auch oftmals daran, dass sachkundige, aber verständnisvolle Richter aus Kulanz mal ein Auge zudrücken und die Katze als „shaded“ richten.
Manchmal zeigen die Katzen, die als Golden-Shaded registriert sind, eine Art Geisterzeichnung eines anderen Musters. Auch hier gehen die Meinungen der Richter oftmals auseinander, ob es sich hier tatsächlich um eine Geisterzeichnung handelt oder um ein anderes, nicht besonders gut ausgeprägtes Tabbymuster.

Die Besprechung
Da auf der British Winner Ausstellung in Gorredijk in der Varietät Golden besonders viele Katzen vor Ort waren, ergab sich eine gute Gelegenheit für die Richter den Ausstellern zu erklären, was den Unterschied zwischen Tipping und Ticking ausmacht. Die Richter Ad de Bruijn und Eric Reijers waren so ‘mutig’ sich an dieses Thema zu wagen. Es wurden 5 Golden ‘shaded’ auf dem Podium besprochen: Von warm golden bis braun und von shaded bis Geisterzeichnung waren die Merkmale verteilt. Das Erste was auffiel:
Alle Katzen hatten in den einzelnen Haaren eine Bänderung! Alle Katzen waren somit geticked, egal was für ein Muster sie hatten.
Also ergab sich die Frage ob es überhaupt möglich ist ein Tipping zu haben ohne das (dominant ververbende) Gen INHIBITOR. Dies ist das sogenannte Silbergen, das bei den silber shaded und chinchilla Katzen dafür sorgt, dass die eigentliche Farbe der einzelnen Haare bis in die Spitzen ‘gedrückt’ wird, wobei der Rest des Haares ohne Farbe ist (= silber). Mit anderen Worten: nur in den Spitzen der Haare befindet sich Farbe und zwar ohne jegliche Bänderung. Da die einzelnen Haare bis auf die Spitzen farblos sind und diese Farblosigkeit durch Lichteinwirkung das Fell zum Glänzen bringt, nennen wir diese Katzen silber.
Im Grunde genommen sind die Goldenen nichts weiter als Silberne ohne Silber, wie verrückt sich das auch anhört. Ein Gen für Golden gibt es nämlich nicht.
Die einzelnen Haare sind bis auf die Spitzen auch nicht farblos wie bei den Silbernen, sondern pigmentiert. Die warme goldene Farbe erhält man durch Selektion der Zuchtkatzen, in dem man Katzen mit warmer goldener Unterwolle und einer intensiv grünen Augenfarbe zur Zucht auswählt. Ohne diese warme goldene Unterwolle und ohne grüne Augen sind es nämlich im Grunde genommen schwarze Tabbys, auch Browntabby genannt.
Die Diskussion
Es wurde eine sehr interessante Diskussion, wobei Eric Reijers an Hand einer Zeichnung zeigte was ein ´echtes´ Tickingmuster gemäß Standard beinhalten muss. Ferner erzählte er dass ALLE Katzen ein Muster tragen, auch die non-agouti (= solid). Bei den non-agouti ist das Muster in der Schwarz-Serie (schwarz, blau, lilac usw.) oftmals als Geisterzeichnung bei den Kitten zu sehen. Sieht man bei einem sehr jungen Kitten keine Geisterzeichnung, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Katze ein Ticking Muster hat. Bei der Rot-Serie bleibt die Geisterzeichnung des Musters. Die Katze zeigt das Muster oftmals lange oder gar dauerhaft, weil das Agouti Gen bei Rot keine Wirkung hat. Deshalb ist es bei Katzen der Rot-Serie oft sehr schwierig eindeutig festzustellen, ob es sich um eine agouti oder um eine non-agouti Katze handelt. Hat eine rote oder creme Katze keine Geisterzeichnung, dann kann man davon ausgehen, dass die Katze ticked ist. Bei Katzen der Schwarz-Serie kann man im Zweifel auch am Nasenspiegel gut erkennen, ob es eine agouti Katze ist. Hier ist der Nasenspielgel dann rot mit einer Umrandung der Farbe des Felles. Bei roten Katzen ist das allerdings kein Hilfsmittel. Diese haben immer einen roten Nasenspiegel, egal ob es nun agoui oder non-agouti Katzen sind.
Ad de Bruijn sagte frei heraus, dass wenn er eine Golden Shaded oder Shell auf den Richtertisch bekommt, die eine schöne warme goldfarbene Unterwolle und tiefgrüne Augen zeigt, nicht mal überprüfen will, ob es sich um eine tipping oder ticking Katze handelt. Er will den Ausstellern eine überfüssige und peinliche Musterbestimmung nicht antun. Dann würde nämlich höchstwahrscheinlich keine Golden shaded (= tipping) als solche gerichtet werden können.
Die Aussteller stellten die Frage, ob dies nicht ein Problem sei, das von der Richterkkommission der FIFé einmal erörtert werden sollte. Vor allem auf Grund der Tatsache, dass manche Richter ohne Weiteres eine (ungefragte) Determination vornehmen und den Katzen dann den Punkt nicht geben. Dies kommt auch vor, wenn die Katze bereits in einer hohen oder gar der höchsten Klasse ausgestellt wird. Eine Diskussion scheint aber schwierig zu sein, weil dieses Problem nur in wenigen Ländern erkannt wird. Die Goldenen sieht man nämlich hautpsächlich auf den Ausstellungen im Norden von Europa und dann vor allem in den Niederlanden, Deutschland und Belgien. Allerdings werden in den letzten Jahren sehr regelmässig Goldene Briten aus den Niederlanden und Deutschland in viele andere und zum Teil ferne Länder verkauft. Bei vielen freien Verbänden ist sowohl die Golden Shaded als auch die Golden ticked anerkannt. In Konsequenz müsste man hier dann nur noch das Ticking anerkennen und nicht länger auch noch das Tipping.

Schlussfolgerung
Wahrscheinlich ist man bei der Anerkennung der Golden ohne weiteres davon ausgegangen, dass das Tipping Gen auch bei nicht Silbernen ein Shadedmuster verursachen würde. Inzwischen werden Golden vielfach gezüchtet und auch regelmäßig auf Ausstellungen gezeigt. Im Nachhinein wird jetzt deutlich, dass das Gen für Tipping nur im Zusammenhang mit dem Gen für Silber eine Wirkung hat. Im Hinblick darauf, dass die in Gorredijk anwesenden Golden Katzen mit den unterschiedlichsten Mustern alle eine Bänderung in den einzelnen Haaren aufwiesen, könnte man vorsichtig die Schlussfolgerung ziehen:
Ohne Silber kein Tipping, sondern nur Ticking!*)
Sollte diese Schlussfolgerung in der Tat richtig sein, dann müsste (nicht nur) die FIFé den Standard der Goldenen erneut unter die Lupe nehmen. Es müssten die EMS-Codes 11 (shaded) und 12 (shell) ersetzt werden durch Code 25 (ticking)! Und Katzen mit ‘Geisterzeichnung’ müssten dann als gestromt (22), gestreift (23) oder getupft (24) registriert werden. Dann stimmen die Stammbäume genetisch (jetzt kommt es oftmals vor, dass eine geticket Katzen (EMS-Code 25) registriert wird, deren Eltern beide nicht als Ticked registriert sind!). Zu begrüßen wäre auch, dass die Katzen nicht länger der willkürlichen Determinierung von Richtern ausgeliefert sind. Aussteller könnten so beruhigt ihre Goldenen auf Ausstellungen zeigen, ohne mit einer grossen Enttäuschung rechnen zu müssen. Wie willkürlich es manchmal zugeht beweist die Tatsache, dass ein und dieselbe Katze auf der einen Ausstellung Best in Show wird und auf einer anderen nicht mal den Punkt bekommt!
Mit grossem Dank an Ad de Bruijn und Eric Reijers für Ihre bereitwilligen und interessanten Erläuterungen zu diesem heiklen Thema.
*) Diese Schlussfolgerung ist schon vor längerer Zeit auf Grund von Erfahrungen in der Zucht von Goldenen durch viele Züchter gezogen worden. Unter anderem von Angelika Niesel (D’Oaxaca) die seit mehr als 20 Jahren Golden in schwarz und blau züchtet. Auf ihrer Homepage kann man lesen, dass sie noch nie eine Golden mit einem Tippingmuster gesehen hat, sondern ausschließlich Katzen mit einem Tickungmuster.