Die Grundlagen:
Die HCM (HKM) ist eine erworbene Herzerkrankung, die genetisch bedingt ist. Die A31P- und A74T-Polymorphismen (es handelt sich hierbei um einzelne verschiedene Punktmutationen dieser Gene) im kardialen Myosin Bindungsprotein C3-Gen (MYBPC3) werden derzeit als kausale Mutationen bei Maine Coon-Katzen angesehen.
Die Tatsache, dass eine HCM meist erst diagnostiziert wird, wenn sich die Katzen im Zuchteinsatz befinden und teilweise schon für Nachkommen gesorgt haben, macht gerade diese Erkrankung für Züchter so problematisch.
Neben den klassischen Verfahren wie Auskultation, Röntgen und EKG liefert heute die Echokardiographie beste Ergebnisse. Mit hochauflösenden zwei-dimensionalen Bildern des Herzmuskels über Farb-Dopplerverfahren, Gewebedoppler und Strain-Analysen lassen sich Herzerkrankungen sehr gut diagnostizieren und die überdurchschnittlichen Verdickungen vor allem der linken Herzkammern darstellen.

HCM Ultraschalluntersuchung in der Tierklinik Kaiserberg Duisburg
Fotograf: Fam. Richert
Die Sache mit den Genen:
1999 postulierte ein amerikanischer Kardiologe eine autosomal dominate Vererbung der HCM bei der Maine Coon mit 100%ige Penetranz (die prozentuale Wahrscheinlichkeit, mit der ein bestimmter Genotyp den zugehörigen Phänotyp ausbildet). Auf der Suche nach einer Mutation im kardialen Myosin binding protein C3-Gen (MYBPC3 ) wurden zwischen 2005 und 2007 drei Mutationen untersucht und beschrieben (A31P bei Maine Coon – Dr. Meurs und Kittleson (2005), A74T – Nyberg und Kollegen, bei Maine Coon und weiteren Rassen (2007) sowie R820W bei Ragdoll - Dr. Meurs (2007)).
Häufigkeiten der Genmutationen:
Die Studien von Dr. Meurs zeigen, dass 33,6 % der untersuchen Maine Coon Population in den USA Träger der A31P-Mutation sind. In einer Studie der Arbeitsgruppe Kardiologie in der DKG-DVG wurde ermittelt, dass 30 % von 119 herzgesunden Maine Coon-Katzen ebenfalls Träger dieser Mutation waren. In einer aktuellen Studie der Universität Bristol wurden 193 Maine Coon auf A31P-Mutation und 898 Ragdoll-Katzen auf R820W untersucht. Hier lag die Trägerquote bei 30 %, d.h. jede dritte Katze war Träger der jeweiligen Mutation. Es wurden nur Tiere getestet, die ein entsprechend relevantes Alter aufwiesen.
Eigentlich müssten bei den bisherigen Annahmen und dem häufigen Auftreten der beiden Mutationen wesentlich mehr Katzen der Population an HCM erkranken. Am Verhältnis von HCM-Genotyp zu Phänotyp (gesundes oder HCM-krankes Tier) stimmt anscheinend etwas nicht!
Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen leben Katzen mit homozygotem Testergebnis (HCM/HCM), was sie bei dem von Kittleson (1999) postulierten autosomal dominanten Erbgang mit 100 %iger Penetranz eigentlich nicht konnten. Nach Einführung des Gentest gab es aber homozygote HCM-Trägertiere die lebten. Dies lässt rückschließen, dass das Gen bei dieser Population eine variierende Penetranz zeigt oder keine ausreichende Expressivität (Ausprägungsgrad) besitzen konnte.
Zum anderen wurden regelmäßig negativ getestete Katzen, die also keine Mutation des MYBPC3-Gens aufwiesen, als HCM krank diagnostiziert (durch Schallung).
In einer Studie von Schinner et al 2008 wurden 83 Maine Coons auf das Gen A31P untersucht:
| 21,7 % positiver Gentest davon | 83,3 % gesunde Tiere |
| 16,7 % HCM erkrankte Tiere | |
| 78,3% negativer Gentest davon | 86,1 % gesunde Tiere |
| 13,9 % erkrankte Tiere |
Bezüglich des A74T-Gens wurden 79 Maine Coon untersucht:
| 35,4 % positiver Gentest davon | 78,6 % gesunde Tiere |
| 21,4 % HCM erkrankte Tiere |
Von allen HCM erkrankten Tieren trugen insgesamt nur 23,5 % eine Mutation des A74T-Gens.
Als Ergebnis dieser Studien lässt sich also ableiten, dass eine Katze beim Vorliegen einer Mutation im MYBPC3-Gen nicht automatisch an einer HCM erkranken wird. Umgekehrt ist ein nicht Vorhandensein der mutieren Gene kein Ausschluss eines Auftretens einer HCM, d.h. trägerfreie Tiere können ebenfalls an HCM erkranken.
Es besteht weiterhin kein Hinweis, dass die auf dem Markt erhältlichen Gentest für Züchter zur Zeit Sinn machen. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei der HCM um eine genetisch weit komplexere Erkrankung handelt und eine weitere Erforschung der „HCM-Genetik“ erforderlich ist.
Bei der Britisch Kurzhaar ist derzeit keines dieser Gen in Verbindung mit der HCM Erkrankung zu bringen. Daher ist der oben beschriebene Gentest für andere Rassen für diese Rasse und wohl auch nicht für die untersuchten Rassen aussagekräftig. Die kardiologische Zuchtuntersuchung ist die sinnvollste Vorsorgemaßnahme und ab einem Alter von einem Jahr bei BKH Katzen möglich. Hier brauchen Sie einen spezialisierten Tierarzt, der klare Aussagen über die Herzgesundheit und Zuchteignung machen kann.

Farbdoppler Ultraschall Tierklinik Kaiserberg
Fotograf: Fam. Richert
Die Echokardiographie, der Herzultraschall, bleibt die beste Methode, um eine HCM nachzuweisen:
EKG und Röntgenuntersuchungen sind für eine Früherkennung eher ungeeignet. Schallköpfe mit hoher Auflösung und Bildfrequenz sind neben der Erfahrung des Untersuchers Grundvoraussetzung. Die HCM lässt sich als symmetrische und asymmetrische Verdickung der Herzwände und Papillarmuskel darstellen. In der diastolischen Phase (Muskelerschlaffung) wird die Wanddicke des Herzmuskels in definierten Standardebenen gemessen.
Grenzwert für eine normale Herzwanddicke ist 5,5 mm, zwischen 5,5 und 6 mm spricht man von einem zweifelhaften Befund. Asymmetrische (lokale) Verdickungen sind weit schwieriger darzustellen und bedürfen der Erfahrung von spezialisierten Kardiologen.
Eine Herzwandverdickung kann die als Folge eines primären genetisch bedingen Effekt (HCM, häufig asymmetrische, linkslastige Verdickung) oder als sekundäre Reaktion auf Blutdruckerhöhung und/oder hormonelle Veränderungen auftreten. Die sekundäre Hypertrophie stellt meist eine gleichmäßig nach innen gerichtete Verdickung dar.

Farbdoppler Ultraschall Tierklinik Kaiserberg
Fotograf: Fam. Richert
Empfehlung für Züchter:
Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Zuchttiere mit Wiederholungen in 1- bis 2-jährigem Abstand, abhängig vom jeweiligen Kontrollergebnis. Aus Tierschutzgründen (§11 b TschG) und aus Gründen der Gewährleistung empfiehlt sich die Ultraschalluntersuchung der Tiere vor dem ersten Zuchteinsatz.
Fotos wurden erstellt mit freundlicher Erlaubnis von Dr. Jan-Gerd Kresken während einer HCM Zuchtuntersuchung.
Literatur:
Kittleson MD et.al. (1999): Familial hypertrophic cardiomyopathy in maine coon cats: An animal model of human disease. Circulation 1999;(24):3172-80
Meurs KM, et al.2005: A cardiac myosin binding protein C mutation in the Maine Coon cat with familial hypertrophic cardiomyopathy. Hum Mol Genet 2005; 14(23): 3587-93.
Nyberg MT, et al.2007: Intra-allelic Genetic Heterogenity of Hypertrophic Cardiomyopathy in the Maine Coon Cat. HGM2007 [Poster Abstract], 2007
Meurs KM, et.al. A substitution mutation in the myosin binding protein C gene in ragdoll hypertrophic cardiomyopathy. Genomics 2007; 90(2): 261-4
Kittleson MD, et al. 1997: Familial systolic anterior motion of the mitral valve and /or hypertrophic cardiomyopathy is apperently inherited as an autosomal dominant trait in a family of American Shorthair cats. J Vet Intern Med; 11(138).
Schinner C. 2008: Genetische Assoziation der A31P- und A74T-Polymorphismen im kardialen Myosin-binding-protein-C-Gen mit der felinen familiären hypertrophen Kardiomyopathie bei Maine-Coon-Katzen. Dissertation 2008 LMU München.

Gudrun Schwing · 30.06.2011, 18:53